Die (Rockefeller)-Eugenik-Files (IV)
Kapitel IV - Internationale Eugeniker bei Eugenik-Kongressen bis 1932
Kapitel IV
Ich weiß, ich spanne in dieser Serie einen sehr weiten Bogen, und möchte deshalb an dieser Stelle einmal daran erinnern, dass die Wissenschaft der Genetik und die ältere Vererbungslehre einen gemeinsamen Ursprung haben. Vergleichbar mit Alchemie und Chemie. Und im Extremfall - Virentheorie vs. PCR-Test.
Es gibt zwei Ausdrücke, welche die Misere ansprechen aber nur unvollkommen umschreiben:
Verwissenschaftlichung und
Politisierung der Wissenschaft.
Dieses Phänomen verständlich zu erklären, rackere ich mich nun schon längere Zeit ab. Ich sehe eine tickende Zeitbombe, die auch als Waffe eingesetzt wird und verheerende Wirkungen haben kann, wie z.B. die eugenisch erklärten Massenmorde der Nazi-Maschinerie …
Pure Rassisten, gemäßigte Eugeniker, Rassenhygiene-Fanatiker, Mystiker, Nordmenschen-Anhänger, aber auch Genetiker - sie alle mussten letztendlich auf die eine oder andere Art und Weise über eine Erklärung für Erbmerkmale und Vererbungsmechanismen verfügen, wenn sie in wissenschaftlichen Zeiten Ernst genommen werden wollten, oder sich wenigstens auf irgendeine Art von Theorie berufen können. Mendel half weiter, rein wissenschaftlich gesehen. Was Mendel erkannt hatte, war z.B. in den USA zu Zeiten von Sklaverei eine selbstverständliche Beobachtung. Die Schwarzen wurden eingeteilt in Achtel-/Viertel-/Halbmulatten. Hin und wieder sah man dann auch Nachkommen mit sogenannten rezessiven Merkmalen. Man kannte das auch von der Hunde- und Pferdezucht.
Alles ganz natürlich, im Sinne von Darwin gesehen, höchst wissenschaftlich. Quasi die völlig natürliche Folge der Vereinigung von Wissenschaft und höchsten Naturgesetzen.
Verwissenschaftlichung bedeutet, Theorien werden zum Dogma, dem sich alles und jeder unterzuordnen hat. Wissenschaftlichkeit und wissenschaftliche Theorien sowie Entdeckungen sind das eine, während Interpretation und Umsetzung eine ganz andere Baustelle sind. Medizinisierung ist ein anderes Wort vielleicht auch medizinilasierung, beide Worte zweifelt das Rechtschreibprogramm an. Jedenfalls geht es um die alte Geschichte, in der medizinische Erkenntnisse, der sogenannte Konsens sowie wissenschaftliche Methoden in Politik und Dogmen umgemünzt werden.
Um des Volkes Wohles Willen und im Einklang mit der Wissenschaft können die unglaublichsten Dinge politisch durchgesetzt werden. Die Klima-Geschichte haut genau in dieselbe Kerbe … Theorien werden zur Staatsräson und Staatsräson ist im Sinne einer Waffe einsetzbar. Gegen “DIE ANDEREN” (hier bitte einfügen: Ungläubige, Corona-Leugner, Klima-Leugner (?), Demokratiefeinde - früher als Hexen, Zauberer, Juden, Schwarze, Einwanderer, Dreckspack bezeichnet …) und/oder das eigene Volk. Das nennt man dann Politisierung der Wissenschaft. Capice?
In diesem Zusammenhang siehe auch
Der 2. Internationale Eugenik-Kongress 1921
1921! Die USA wimmeln von frischgebackenen Millionären und Kriegsgewinnlern. Investoren stehen Schlange vor den Büros der Wirtschaftskanzleien mit Verbindungen nach Europa, speziell Deutschland, das Kredite braucht, schon mal wegen der Kriegsschuld-Sache und den horrenden Reparationsforderungen. Das musste mal so gesagt und kann des weiteren auch belegt werden.
Bedenken wir auch, welche Situation in der Weimarer Republik herrschte, siehe das Epos rund um die Räterrevolutionen.
Wir wollen nun aber unseren Blick wieder zurück auf die Eugenik-Bewegung in den USA richten, wo vom 22. - 28. September 1921 im American Museum of Natural History (AMNH) in New York unter großem Tam-Tam und medial wohlwollend begleitet der 2. Internationale Eugenik-Kongress stattfand. Die Informationen stammen vorwiegend aus dem sehr detaillierten Artikel The Eugenics Movement in Retrospect von Rob de Salle, der nun auszugsweise übersetzt (teilweise mit DeepL.com kostenlose Version) und zitiert wird.
Alexander Graham Bell (1847-1922), der wie weiter oben erwähnt wurde, auch dem Forschungsprojekt beteiligt war, das die Zahl von 15 Millionen Amerikanern in den Raum stellte, die nach Ansicht der Experten sterilisiert werden sollten, war der Ehrenpräsident des Kongresses. Am ersten Abend eröffnete der uns mittlerweile wohl bekannte Paläontologe und Museumspräsident Henry Fairfield Osborn (1857-1935) den wissenschaftlichen Teil des Kongresses mit einer Begrüßungsrede, die einen hoffnungsvollen Ton für das Treffen anschlug - einen Ton, der von Entdeckungen und hochwertigen wissenschaftlichen Präsentationen geprägt war. Die Zeitschrift Science druckte die Ansprache in vollem Wortlaut ab.
Clarence Cook Little (1888-1971) vom Carnegie Insitut Washington beschreibt die Ziele der Versammlung in einem von The Eugenics Review veröffentlichten Artikel wie folgt:
Der zweite Kongress hatte vier Sektionen mit den Titeln "Menschliche und vergleichende Vererbung", "Eugenik und die Familie", "Menschliche Rassenunterschiede" und "Eugenik und der Staat". Das Museum veranstaltete zu diesem Anlass eine Ausstellung, die "Exhibition of Eugenics". Henry Hamilton Laughlin (1880-1943), Leiter des erwähnten Eugenic Record Office am Cold Spring Harbor Laboratory auf Long Island, NY, gab einen Bericht in Buchformat über die 131 auf der Tagung präsentierten Exponate heraus.
1921 Exhibition Handbuch AMERICAN MUSEUM OF NATURAL HISTORY LIBRARY
Laughlin war außerdem von 1921 bis 1931 Eugenik-Experte für den Ausschuss für Einwanderung und Einbürgerung des US-Repräsentantenhauses. Dieser Kongressausschuss war unter anderem für das Johnson-Reed-Gesetz von 1924 verantwortlich, das Einwanderungsquoten festlegte und im Endeffekt dazu führte, dass die Zahl der Juden, die in den 1930er Jahren aus dem von den Nazis kontrollierten Deutschland in die Vereinigten Staaten einwandern konnten, begrenzt wurde.
So viel zur Rettung von Juden durch die Amerikaner. Gewiss, einige renommierte Wissenschaftler und wohlhabendere Klientel erhielten Einlass ins gelobte Land. Alle anderen kamen in Vernichtungslager oder wurden zur Emigration nach Palästina genötigt.
Der Kongress wurde von Wissenschaftlern aus aller Herren Länder besucht, wie Natural History berichtete. Viele ausländische Gesellschaften und Universitäten waren durch eigens benannte Delegierte vertreten, und nicht weniger als sechzehn Regierungen ernannten Vertreter... Vier Delegierte wurden vom United States Public Health Service entsandt, und elf... Staaten hatten Delegierte anwesend, die von den jeweiligen Gouverneuren dieser Staaten zu diesem Zweck ernannt worden waren."
Im vierten Stock des Museums befand sich die wichtigste Eugenik-Ausstellung, in der die meisten Vorträge gehalten wurden - der “Hall of the Age of Man” - 1911 eröffnet und 1965 geschlossen). Mit seiner Beschreibung des frühen Menschen und fossilen Beweisen über den frühen Menschen bildete dieser Saal den evolutionären Kontext für das Forum.
Auf Osborns Rede folgte ein Vortrag von Major Leonard Darwin (1850-1943), dem Sohn von Charles Darwin. Den Abschluss des Abends bildete eine Ansprache des Gründers des Eugenic Record Office, des Biologen Charles B. Davenport (1866-1944), eines bedeutenden Befürworters der Mendelschen Genetik und der Eugenik. 1923 veröffentlichte Davenport einen Band, in dem dreiundfünfzig der wichtigsten Reden der Tagung, darunter die drei Reden des Eröffnungsabends, zusammengefasst wurden. Darwins Ansprache: "The Aims and Methods of Eugenical Societies" wurde 1921 in Science veröffentlicht.
C.C. Little gab einen Überblick über den Grund des Kongresses und nannte als Ziel auch, den Widerstand der Gegner der Eugenik auszugleichen. Er erwähnte drei Arten der Kritik an der Eugenik, die vor dieser zweiten internationalen Tagung geäußert worden waren. Kritische Wissenschaftler, die sich mit Biologie und Genetik befassten, hatten lautstark darauf hingewiesen, dass "die Eugeniker zu wenig über die Grundlagen ihrer Wissenschaft wussten" - die Eugeniker schufen ein Unterfangen ohne wissenschaftliche Grundlage, woran auch die früheren Arbeiten des Universalgelehrten Francis Galton (1822-1911) und des Mathematikers Karl Pearson (1857-1936) nichts änderte, die versucht hatten, Statistiken und numerische Beispiele in die Schlussfolgerungen der Eugenik einzubringen.
Die zweite Kritik bezog sich auf die extremen Empfehlungen der Eugeniker, die der Tradition zuwiderliefen, und zwar nicht nur im Hinblick auf die Gesellschaft, sondern auch auf die Art und Weise, in der die Eugeniker nicht-traditionelle Beziehungen zwischen den Geschlechtern guthießen, die sich "stark von den gegenwärtig bestehenden unterscheiden". Was damit wohl gemeint war? Sicherlich ging es nicht um die Hippie-Devise der 60er Jahre “Make Babys not War”, sondern wahrscheinlich um das Thema Homosexualität, die natürlich sehr wohl geeignet ist, die Bevölkerung zu reduzieren, wenn hier eine Trendumkehr weg von der Heterosexualität erreicht werden könnte. Das selbe gilt natürlich für die LGBTQ+ Kampagne, die in den letzten Jahren vorangetrieben wird.
Als dritter Punkt, dem die Versammlung entgegentreten wollte, wurde die Gleichgültigkeit der Öffentlichkeit gegenüber dem Thema Eugenik genannt. Damit die Eugenik zu einer vollwertigen Disziplin werden konnte, musste die öffentliche Wahrnehmung der Eugenik korrigiert werden. Und das Organisationskomitee kam zu dem Schluss, dass das AMNH aufgrund seiner Bildungs- und Ausstellungsmöglichkeiten der perfekte Ort dafür war.
Was den ersten Kritikpunkt anbelangt, so wurde beschlossen, die wissenschaftliche Basis der Eugenik zu stärken.
Daher wurden einige der besten Genetiker und Biologen der damaligen Zeit eingeladen, in der ersten Sitzung des Treffens Beiträge zu leisten. Osborn bemühte sich besonders darum, einige der besten Genetiker und Anthropologen einzuladen: Thomas Hunt Morgan (1866-1945), damals an der Columbia University; Hermann Joseph Muller (1890-1967), an der University of Texas; Calvin Bridges (1889-1938), ebenfalls an der Columbia University bei Morgan; Sewall Wright (1889-1988), damals am US-Landwirtschaftsministerium; und R. A. Fisher (1890-1962), an der Rothamsted Experimental Station im Vereinigten Königreich. Zehn Jahre nach dem Kongress veröffentlichte Fisher ein Buch mit dem Titel The Genetical Theory of Natural Selection, in dem er seinen eugenischen Standpunkt bekräftigte und die Unausweichlichkeit eugenischen Denkens postulierte.
Mit Ausnahme von zwei Wissenschaftlern, namentlich William Bateson (1861-1926), Direktor der John Innes Horticultural Institution in Großbritannien, und Franz Boas (1858-1942), sagten alle Eingeladenen zu. Bateson lehnte mit der Begründung ab, er wolle Wissenschaft und angewandte Wissenschaft der Eugenik voneinander getrennt halten. Boas stand der Eugenik überaus ablehnend gegenüber, was er wie folgt begründete:
“Wie viel auf diesem Gebiet versucht werden kann und sollte, hängt von den Ergebnissen sorgfältiger Studien über das Gesetz der Vererbung ab. Die Eugenik ist kein Allheilmittel, das die menschlichen Übel heilen wird, sie ist vielmehr ein gefährliches Schwert, dessen Schneide sich gegen diejenigen wenden kann, die sich auf seine Stärke verlassen."
Ein anderer Schwerpunkt des Kongresses war Eugenik und Familie gewidmet. Dort wurde auf die Bedeutung der Schnittstelle zwischen Eugenik und Staat hingewiesen, da der Staat bei eugenischen Lösungen für die so genannte schlechte Rassen- und Familienhygiene eine Rolle spielen müsse. Laughlin präsentierte ein Papier mit dem Titel "Eugenische Sterilisation in den Vereinigten Staaten", worin er behauptete, dass die Staaten ein "unzweifelhaftes Recht haben, die Fortpflanzung von Personen mit erwiesener degenerierter Abstammung zu verhindern, weil eine solche Fortpflanzung Kinder hervorbringt, die eine "Belastung für den sich selbst versorgenden Teil des Gemeinwesens darstellen." Bekanntlich wurden bald darauf in vielen Bundesstaaten entsprechende Gesetze eingeführt.
Das letzte Gesetz zur Zwangssterilisation in den Vereinigten Staaten wurde 2003 in North Carolina aufgehoben, doch noch 2010 wurden Fälle von Zwangssterilisationen von inhaftierten Frauen in staatlichen Gefängnissen gemeldet.
Der vielleicht ungeheuerlichste Bereich des Forums war der über die so genannten rassischen Unterschiede zwischen Menschen. Einige der aggressivsten rassistischen Exponate trugen Titel wie "Persönliche Schönheit und Rassenverbesserung", "Rassenunterschiede bei menschlichen Föten", "Rassenunterschiede bei geistiger Erschöpfung", "Darstellung der steigenden Flut von Farbigen gegen die weiße Weltherrschaft" und die "Statuette des durchschnittlichen amerikanischen weißen Soldaten" - alles Dinge, die damals als Mainstream-Eugenik galten.
AMERICAN MUSEUM OF NATURAL HISTORY LIBRARY: Beispiele für unverhohlenen Rassismus in einigen Exponaten des Zweiten Kongresses. Rassenunterschiede bei Föten (links oben und unten), Der durchschnittliche weiße Soldat (oben rechts) und eine Tabelle, welche Rassenunterschiede bei geistiger Erschöpfung zeigen soll (unten rechts).
Eines der rassistischsten Exponate stammte wieder mal von Madison Grant (1865-1937), Treuhänder des Museums, Förderer und Gestalter des Zweiten Kongresses und Autor des Buches The Passing of the Great Race von 1916. Osborn hatte eine enthusiastische Einleitung zu diesem Buch geschrieben. Ein anderer AMNH-Treuhänder, der deutschstämmige Bankier Felix Warburg (1871-1937), war darüber so erbost, dass er eine wissenschaftliche Untersuchung von Osborns Verhalten forderte. Die Mehrheit des Kuratoriums entschied jedoch, dass "sich niemand beleidigt fühlen müsse".
Eine weitere Abteilung der Ausstellung war Flugblättern, Bildern, Broschüren und Büchern mit eugenischen Themen vorbehalten.
Die von C. C. Little umrissenen Ziele des Kongresses wurden offenbar erreicht, denn nach 1921 gewann die Eugenik an Einfluss. Im Jahr 1926 wurde die American Eugenics Society (AES) von einigen der Organisatoren der Tagung von 1921 - Madison Grant, Harry H. Laughlin und Henry F. Osborn - gegründet, eine Vorläufer-Organisation war bereits 1922 am Start. Die Mitglieder der AES waren entweder Herausgeber von Fachzeitschriften oder hochrangige Funktionäre der Genetical Society of America, der American Association for the Advancement of Science, der American Genetics Association (früher American Breeders Association), der American Medical Association (AMA!) und der American Society of Human Genetics.
Die Erklärung, warum die Mahnungen zur Zurückhaltung während des 1. Eugenischen Kongresses in London beim zweiten Kongress kaum noch befolgt wurden, klingt ein wenig matt. Die an der ersten internationalen Tagung geäußerten Warnungen seien “durch die vorherrschenden Einstellungen und Vorurteile gedämpft” worden.
Was den Dritten Eugenik-Kongress anbelangt, zu dem wir gleich kommen, am Vorabend eines Weltkonflikts, da seien alle Warnungen vor einem "gefährlichen Schwert" von der Euphorie über die potenzielle Fähigkeit der Eugenik, die menschliche Spezies genetisch zu verbessern und sicherzustellen, dass unerwünschte Eigenschaften und Menschen nicht reproduziert werden, übertönt worden.
Für einige Befürworter stellte die Eugenik die "Endlösung" dar. [naturalhistorymag.com]
Zwar zogen sich viele Wissenschaftler spätestens von der Eugenik zurück, nachdem Hitlers Eugenik-Projekt doch für eine sehr schlechte Publicity gesorgt hatte, die formalisierte Eugenik bestand jedoch fast bis zum Ende des zwanzigsten Jahrhunderts fort - die AES wurde erst in den 1990er Jahren aufgelöst, und einige ihrer Ideen sind immer noch aktuell.
Der 3. Internationale Eugenik-Kongress und danach
Bisher wurde noch nichts über Averell Harriman´s reizende Mutter gesagt. Mary Harriman, geb. Williamson, ist die Gründung der „Rassen - Wissenschaftsbewegung“ (race science movement) 1910 in Amerika mit zu verdanken und sie engagierte sich aktiv in der Eugenik-Bewegung. Als im August 1932 im American Museum of Natural History in New York der 3. Internationale Eugenik-Kongress unter Schirmherrschaft der International Federation of Eugenics Societies eröffnet wurde, wurde Frau Harriman für ihre Verdienste protokollarisch gewürdigt. Der Sohn, Averell, wiederum sorgte gleichsam persönlich für den Transport von Nazi-Ideologen wie Ernst Rüdin, Psychiater vom Kaiser Wilhelm Institut für Genealogie und Demografie, zu dem Kongress, indem er deren Reise über die Bush/Walker Hamburg-Amerika-Linie organisierte.
Dr. Rüdin hielt 1928 eine Rede an der Internationalen Eugenik Vereinigung in München und sprach über „Mentale Abweichungungen und Rassenhygiene“. Andere Redner (deutsche und amerikanische) waren zu hören, die ihr Wissen über Rassenmischung und Sterilisation der Ungesunden zum besten gaben. Anlässlich des „Mental Hygiene Congress“ 1930 in Washington D.C. führte Rüdin die deutsche Delegation an.
Dann kam die weltweite Finanzkrise und führte 1931 zu der Verschmelzung der Walker-Harriman Bank mit den Brown Brothers. Der ehemalige Partner von Brown, Montagu Norman (Chef der englischen Notenbank und englischer Naziunterstützer), und sein Schützling Hjalmar Schacht statteten New York in diesem Jahr mehrere panische Besuche ab, schließlich wollten sie Hitler im nächsten Jahr installieren.
Anmerkung: Diese Leute hatten ein Jahr zuvor die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel gegründet.
Averell Harriman, Rockefeller und Prescott W. Bush organisierten und bezahlten Eugenik-Kongresse mit Nazi-Ideologen wie Dr. Ernst Rüdin oder Alfred Plötz in den USA. Rüdin wurde 1932 von der Rockefeller-Stiftung zum 3. Internationalen Eugenik-Kongress in New York eingeladen, und dort einstimmig zum Präsidenten des Weltbundes für Eugenik gewählt. Es war das Jahr, in dem die Psychiatrie von der Rockefeller-Stiftung zum Fachgebiet erhoben wurde, das besondere Beachtung verdiene.
Rüdin leitete auch das Nazi-Programm der eugenischen Zwangssterilisierung und schrieb das nationalsozialistische Sterilisationsgesetz von 1933. Im Juni 1933 sprach Hitler´s Innenminister Wilhelm Frick anlässlich eines Eugenik-Treffens im neuen Dritten Reich und einen Monat später schrieb Rüdin das Gesetz zur Verhinderung von Erbkrankheiten der Nachkommenschaft. Als Vorlage des Gesetzes dienten Rüdin Gesetzespassagen, die in Amerika, im U.S. Staat Virginia und anderen Bundesstaaten, bereits in geltendes Recht überführt worden waren.
Neben seinen direkten Beiträgen zur Ausarbeitung des "Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" war Ernst Rüdin von 1935 bis 1945 auch Präsident der Gesellschaft Deutscher Nervenärzte und Psychiater (GDNP), die später in Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) umbenannt wurde. Er hatte erheblichen Einfluss auf die Verbreitung seiner und Kraepelins Ideen in der gesamten psychiatrischen und deutschen Kultur.
Dabei war Rüdin so erfolgreich, dass er von seinen NAZI-Kumpanen den Spitznamen "Reichsführer für Sterilisation" erhielt. Er wurde zweimal vom »Führer« Adolf Hitler für seine Beiträge zur deutschen Eugenik, zur Rassensäuberung, geehrt.
Über die grauenhaften Experimente deutscher Psychiater unter der Führung Rüdins im Namen der Rassenhygiene, also der Eugenik, und die Förderung Rockefellers wurde im letzten Teil berichtet. Belegt wurde in dieser Serie die wachsende Vernetzung internationaler Eugeniker - einen vorläufigen Höhepunkt fand die Entwicklung im Kongress von 1932, inmitten der Großen Depression und kurz bevor Hitler an die Macht gehievt wurde. Nicht wenige seiner internationalen Förderer gehörten zum selben Personenkreis, der auch das Thema Eugenik in verschiedenen Spielarten förderte.
Um diesen Punkt eindeutig zu klären, bietet sich wohl ein Blick auf die Jahre der Weimarer Republik an, insbesondere darauf, welche Rolle ausländisches Kapital spielte, in den Weimarer Jahren als auch bei der Erhebung Hitlers. Grund genug an der Serie über den Aufstieg Hitlers weiterzuarbeiten, und z.B. endgültig zu klären, wieso der abgebrannte Hitler ab 1923 Merzedes fuhr.
Wohin verschwand die Eugenik-Bewegung? (2)
Betrachtet man die Historie der Eugenik-Bewegung, dann beginnt man sich zu wundern, wohin alle diese amerikanischen und europäischen Eugeniker mit ihrer menschenverachtenden Ideologie auf einmal hingekommen sind. Es kommt einem ein bißchen so vor, wie die Verwandlung der Kommunisten in Kapitalisten nach dem Zusammenbruch der Sowjet-Union oder besser noch, wie die Umbenennung des KGB in FSB. Neuer Name, neue Zeit. In Wirklichkeit sind diese Leute natürlich nicht einfach mit dem Kriegsende vom Erdboden verschwunden.
Nun, auf einige trifft dies tatsächlich zu, z.B. auf Josef Mengele und einige andere, deren Spuren sich nach Südamerika, in den Nahen Osten oder nach Australien verfolgen lassen (s. z.B. “Die Bormann-Bruderschaft II” ).
Erwähnt wurde bereits von Verschür, Mentor Mengeles, der noch vor Ende des Krieges entfloh und den Nürnberger Prozessen entkam. 1949 wurde der Auschwitz-Doktor Otmar Freiherr von Verschür zum korrespondierenden Mitglied der Amerikanischen Gesellschaft für Humangenetik ernannt. Diese Organisation hatten 1948 führende Eugeniker unter dem Banner der weniger in Verruf geratenen Bezeichnung »Genetik« neu gegründet.
Von Verschür erhielt die Mitgliedschaft in der Amerikanischen Gesellschaft für Humangenetik durch einen anderen Deutschen, den alten Eugenik-Kollegen Dr. Franz J. Kallmann, der noch mit Ernst Rüdin an der »genetischen Psychiatrie« zusammengearbeitet hatte. Teil der Umverpackung des führenden Nazi-Eugenikers von Verschür war auch der Posten, den er nach dem Krieg am neu gegründeten Büro für Menschliche Vererbung in Kopenhagen bekommen hatte. Die Rockefeller-Stiftung hatte das Geld für die Gründung des neuen dänischen Büros bereitgestellt. An ihm konnten die gleichen Eugenik-Aktivitäten unauffälliger fortgesetzt werden. [Saat der Zerstörung, Engdahl, S. 140]
Noch im August 1944 hatte der Direktor des KW-Instituts für Anthropologie, Otmar von Verschuer, Sabotagefälle wie das Durchschneiden einer Telefonleitung und das Durchstechen der Reifen eines Dienstrades zur polizeilichen Anzeige, da dadurch die »kriegswichtige Arbeit des Institutes gestört« werde.
Im sogenannten Ärzteprozess standen wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschheit - nicht Menschlichkeit! - ab 1946 lediglich 20 Ärzte und drei hohe SS-Funktionäre vor Gericht, ein paar Todesurteile wurden vollzogen. Laut Wikipedia (23.06.2024) wurden von den 23 Angeklagten sieben zum Tode verurteilt, fünf zu lebenslangen Haftstrafen und vier zu Haftstrafen zwischen 10 und 20 Jahren. Sieben Angeklagte wurden freigesprochen. Die langjährigen Haftstrafen wurden sämtliche reduziert, auch auf Betreiben von Hochkommissar John Jay McCloy. Der letzte dieser Verurteilten wurde 1955 aus der Haft entlassen.
Nachdem ich mich im Zuge der Recherchen nun doch recht umfangreich mit den Biografien viel zu vieler Personen befasst habe, die meiner Meinung nach für den Rest ihres Lebens in den Knast gehört hätten, bin ich jetzt doch wieder mal sprachlos über diese kümmerliche Anzahl von Urteilen im Ärzteprozess. Von den sich als Gott gebärdenden Psychiatern ist überhaupt keine Rede. Im Buch “Blut, Rasse, Gene” fanden sich folgende Zahlen zu Ärzten, die sich aktiv am Unrechtssystem beteiligten:
Von den ungefähr 90000 damals in Deutschland praktizierenden Ärzten waren etwa 350 unmittelbar an diesen Verbrechen beteiligt, eine Zahl, die leicht über die notwendige Mitwirkung eines umfangreichen >Apparates< hinwegtäuschen kann.1
Mich jedenfalls kann diese Zahl nicht über die “Mitwirkung eines umfangreichen Apparates” hinwegtäuschen. Die folgende Feststellung aus dem selben Buch trifft die Misere punktgenau:
Eine vermeintlich wissenschaftlich begründete, aber mit sozialen Vor- und Werturteilen durchsetzte Weltverbesserungsemphase der Vererbungsbiologen und die Expansionslogik professioneller Wissensorganisation, die ihre Dynamik entwickelte, lange bevor es die nationalsozialistische Bewegung überhaupt gab, waren eine verhängnisvolle Mischung eingegangen. Ohne sie hätte der Nationalsozialismus die Rassen- und Erbgesundheitsideologien gar nicht zu seiner Angelegenheit machen können. Die Politik der Nationalsozialisten hat sicher auch die Wissenschaft mißbraucht und verfälscht, aber ohne die aktive Mitwirkung der Wissenschaft wäre sie hilflos gewesen, hätte es sie in dieser Form gar nicht geben können. Wenn ihr etwas zuzurechnen ist, so zuallererst der Umstand, daß sie einer zahlenmäßig verschwindend kleinen Gruppe von Wissenschaftlern dazu verhalf, ihre Vorstellungen in die Tat umzusetzen, und daß sie sie, indem sie ihnen diese Möglichkeit verschaffte, politisch korrumpierte. S. 564
Wie ich in diversen Artikeln hoffentlich aufzeigen konnte, trifft es in der Tat zu: die Pseudo-Wissenschaften von Rassen- und Erbgesundheitsideologien existierten vor den Nationalsozialisten, und das eben nicht nur in Deutschland. Der Umstand, dass die entsprechende Forschung bereits in der bankrotten Weimarer Republik mit nicht unerheblichen Finanzmitteln der Rockefeller-Stiftung unterstützt wurde, und dass der Mann Hitler ohne die finanzielle Unterstützung von Leuten verwandten Geistes mit dicken Geldbeuteln 1932/33 womöglich nicht an die Macht gekommen wäre, könnte das Zünglein an der Waage der verhängnisvollen Entwicklung in Richtung medizinischen Völkermord gewesen sein.
Deutschland war als Verlierer des 1. Weltkriegs nicht nur der Prügelknabe sondern auch Versuchslabor - medizinisch, währungstechnisch, politisch und sozial-psychologisch.
Das Jahr 2020 war der Startschuss für ein weiteres, dieses Mal ein globales Experiment.
Nach dem Krieg - die eugenisch-psychiatrische Fackel wird an die USA übergeben
In einer überaus informativen mehrteiligen Serie zur Geschichte der Psychiatrie fand sich auch folgende Information zur weiteren Haltung der Rockefeller-Stiftung zur Psychiatrie:
Die Strategie der Rockefeller-Stiftung, die in einigen Aspekten bereits seit einigen Jahren bestand, wurde 1939 kodifiziert und als eine sich selbst verstärkende Strategie mit drei Phasen formuliert:
Besondere Aufmerksamkeit wird den Lehrmethoden gewidmet" - Schaffung kompetenter Ausbildungseinrichtungen für Psychiatrie, die zunächst für die Vereinigten Staaten, Kanada und das Vereinigte Königreich vorgesehen waren.
Die zweite Phase unseres Programms sollte 1940 anlaufen und würde dann allmählich die allgemeine Hilfe ablösen, die unsere derzeitige Phase darstellt. In diesem Zeitraum der 1940er Jahre ist geplant, den Aufbau einiger Forschungszentren zu unterstützen".
Unser dritter und letzter Schritt sollte die Erweiterung und Anwendung der in den beiden vorangegangenen Schritten erzielten Ergebnisse sein. Wir planen, die Standards der Lehre und der Forschung auf Länder auszudehnen, die jetzt ernsthaft rückständig sind, und wir freuen uns auch auf die Anwendung besserer psychiatrischer Praktiken in Krankenhäusern, Schulen, Gerichten und in der Sozialarbeit in Amerika und anderswo. Diese Arbeit der Ausweitung und Anwendung würde, soweit es die Umstände zulassen, zusammen mit den ersten beiden Entwicklungen fortgesetzt werden. 8
Infolgedessen verbreitete sich die Psychiatrie der (Rockefeller-) Stiftung in der ganzen Welt durch einen stetigen Strom von Finanzmitteln für Lehre und Forschung, durch die Einrichtung von psychiatrischen Abteilungen an Universitäten und durch Berufsverbände wie die American Psychiatric Association. 1934 finanzierte die Rockefeller-Stiftung psychiatrische Forschung und Stipendien in 23 Ländern.
American Psychoanalytical Association 1941/42 und OSS
„Die Kooperation der American Psychonalytical Association konnte angeworben werden, und es ist wahrscheinlich, dass hinsichtlich spezieller Informationen und Dienste bei der gesamten Mitgliedschaft dieser Organisation postalisch angefragt werden kann.“ [Aus einem auf den 20. Oktober 1941 datierten Brief von Langer an Donovan vom OSS]
Psychoanalytiker waren in diesen Zeiten gefragt, quasi kriegswichtig, oder wollten dies wenigstens sein. Man sorgte sich um die Moral an der Heimatfront, und überlegte, wie man diese stärken könne. In diesem Bemühen wurde nicht selten das Patienten-Geheimnis missachtet, schließlich führten einige Psychiater und Psychologen gar absolut inhumane Experimente im Rahmen der MK-Ultra-Programme durch, welche die seltsamsten Blüten trugen. Hitler-Analysen wurden verfertigt, sogar Astrologie soll eine Rolle gespielt haben, nach dem Krieg durchkämmen einige dieser Spezialisten Europa, und suchen nach den Nazi-Unterlagen aus den Konzentrationslagern.
Es ist möglich, wie Knuth Müller in „Im Auftrag der Firma“ aufzeigt, eine Kontinuität zwischen Nazi-Methoden zur Brechung des Widerstands in Konzentrationslagern und US-amerikanischen Folterzentren in der Neuzeit zu belegen. Dass diverse Stiftungen wie Ford, Carnegie oder Rockefeller als cut-outs (s.u.) dienten, quasi als unverdächtige Auftraggeber dieser inhumanen Experimente, und dass diese an Universitäten durchgeführt wurden, die eben von diesen Stiftungen finanziert wurden, macht die Sache nicht appetitlicher.
CIA-Cut-Out Rockefeller-Stiftung & Co
Aufgrund der engen Regierungsverzahnung boten die National Institutes of Health (NIH) sowie deren Unterabteilungen – insbesondere das 1946 begründete „National Institute of Mental Health“ (NIMH) ein ideales „cover“ für CIA-Finanzierungen unterschiedlichster Forschungen und Forscher. Das NIMH entwickelte sich zum größten und bedeutendsten Institut innerhalb der NIH. Zwischen 1956 und 1961 stiegen die finanziellen Forschungsressourcen von 7,8 Millionen Dollar auf 31 Millionen Dollar und das Budget für Aus- und Weiterbildungsprogramme von 6,6 Millionen auf 28 Millionen Dollar. Letzteres mag auch mit den in diesen Jahren vorangetriebenen nachrichtendienstlichen Programmen (ARTICHOKE/MKUTLRA) in Zusammenhang gestanden haben. [K. Müller – Im Auftrag der Firma, S. 509]
Seit den frühen 50er Jahren verwendete die CIA Stiftungen wie die von Ford, Rockefeller oder Carnegie, um eine schier unbegrenzte Zahl an Geheimprogrammen zu fördern, die sowohl <Jugendgruppen, Gewerkschaften, Universitäten wie auch Verlagshäuser und andere Privateinrichtungen betrafen. […] Das Geld bahnte sich seinen Weg durch ein wahres Labyrinth von Stiftungen, von denen einige als Verteiler [>>Cutout<<), andere als Tarnorganisationen [>>front organization<<] fungierten […]. Heute weiß man von mindestens 170 Stiftungen, die den Transfer von CIA-Mitteln erwiesenermaßen bewusst ermöglicht haben. (Saunders 1999)
Sowohl ‚cut outs‘ (renommierte Stiftungen) als auch ‚front organizations‘ (CIA-eigene Stiftungsgründungen) wurden als Finanzmodelle insbesondere in Zusammenhang mit Studien zu regressiven Methoden und hirnmanipulativen Techniken eingesetzt, so z.B. für Forschungsprojekte zur sensorischen Deprivation und Isolation, Experimente mit psychoaktiven Substanzen, oder Studien zur elektrischen Manipulation des Gehirns bei Tier und Mensch, schrieb Knuth Müller in seinem 744 Seiten starken Werk (plus ein eigenes Buch (Anhang) für die tausenden Fußnoten) über Psychoanalyse, Psychiatrie und Geheimdienstprojekte, z.B. Versuche am Menschen. Die wichtigsten Cutout und Front Organisationen waren:
Commonwealth Fund (ca. frühe 50er bis Anfang 60er), Ford Foundation (ab 1950), Foundations‘ Fund for Research in Psychiatry (14. Februar 1953 – 1981), Geschickter Fund for Medical Research (ca. 1950 – ca. 1972), Institute for International Social Research (Princeton University, 1958), Josiah Macy Jr. Foundation (frühe 50er Jahre, vielleicht nur für 2 Jahre), National Institute of Mental Health (1952 – 1962, wahrscheinlich darüber hinaus), National Insitutes of Health (ab 1950), Rockefeller Foundation (seit Existenz des COI/OSS und der CIA), Society for the Investigation of Human Ecology SIHE (1955-1961), Human Ecology Fund (1961 – 1965 – vormals SIHE), South Oaks Research Foundation (ca. ab Ende der 50er Jahre -ca. 1979).
Als reine CIA-Frontorganisationen wurden von K. Müller die drei letzten Organisationen sowie die Foundations‘ Fund for Research in Psychiatry identifiziert. Die Forschungsprojekte um die es ging, sind volkstümlich bekannt unter dem Begriff MK-Ultra.
Natürlich diente auch die Rockefeller Foundation als „cutout“.
„Zu den umstrittensten Aktivitäten dieser Art [verdeckte geheimdienstliche Operationen] gehörte das MK-ULTRA- beziehungsweise Manchurian-Candiate-Programm, in dessen Rahmen in den fünfziger Jahren Forschungen zur Manipulation des Bewusstseins durchgeführt wurden. Finanziert wurde das Projekt aus Mitteln der Rockefeller Foundation.“ [Im Auftrag der Firma, K. Müller, S. 523]
Planned Parenthood
Eine der deutlichsten Verbindungen zwischen der Eugenik-Bewegung und der US-Abtreibungspolitik findet sich in den Mitgliederlisten der American Eugenics Society von 1956, aus denen hervorgeht, dass zu ihren Mitgliedern die Gründerin von Planned Parenthood, Margaret Sanger, und mindestens zwei ihrer Präsidenten, William Vogt und Alan Guttmacher, gehörten.2 Die beiden zuletzt genannten Namen wurden bereits in einem anderen Artikel hervorgehoben. Es geht um die Entstehung einer radikalen Bewegung, deren Begründung der Umweltschutz war. Weiter führende Artikel, die das Thema “Peak Oil” zum Inhalt haben, liegen wieder mal in der Schublade.
1952 - Gründung des “Population Council”
Auszug aus “Saat der Zerstörung” von F. William Engdahl
1952 war es soweit, daß JDR III. den wichtigeren Beitrag seines Lebens zu dem, was er »ein irgendwie internationales Problem« nannte, leisten konnte. Mit 1 400 000 Dollar aus seinem Privatvermögen und zusätzlichem Geld der Rockefeller-Stiftung gründete er den Bevölkerungsrat in New York, um Studien über die Gefahren der »Übervölkerung « und entsprechende Aufgaben zu fördern. John Foster Dulles, damals Vorsitzender der Rockefeller-Stiftung und später Eisenhowers Außenminister und ein Verfechter der nuklearen »Politik am Rande des Risikos«, spielte eine Schlüsselrolle beim Aufbau des neuen Bevölkerungsrats von John D. III. […]
John D. Rockefeller III. brachte 1952 unter der Schirmherrschaft der Nationalen Akademie der Wissenschaften eine Gruppe von Wissenschaftlern auf seinem Familiengut in Williamsburg, Virginia, zusammen, um dem Ganzen quasi einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben. Der Leiter der Akademie, Dr. Detlev Bronk, war für das Thema Bevölkerungskontrolle aufgeschlossen. Unter dem Deckmantel von Welthunger und Bevölkerungsproblem versteckt, wurde wieder die gleiche unlackierte Ideologie der Eugenik propagiert. Erster Direktor von Rockefellers neuem Bevölkerungsrat war der alte Familienfreund und führende Eugeniker Frederick Osborn. Er blieb bis in die späten 1960er Jahre die zentrale Figur in diesem Gremium. 1952, als er den Bevölkerungsrat zu gründen beschloß, vermied Rockefeller peinlich den Begriff »Eugenik«. Bevölkerungskontrolle und Familienplanung sollten die neuen Bezeichnungen für die gleiche Politik sein, die nach 1952 mit reichlich größeren internationalen Mitteln ausgestattet wurde. Die alte Redensart von Rassereinheit und Beseitigung der Minderwertigen wurde unauffällig verändert. [Ende des Zitats]
Tatsächlich wurden die beträchtlichen Mittel, die der Population Council in den nächsten 25 Jahren einsetzte (lt. Engdahl 173 Millionen US-Dollar), zu recht praktischen Zwecken eingesetzt, nämlich zur Entwicklung eines IUD genannten Gerätes zur Empfängnisverhütung und der französischen Abtreibungspille RU-486. Dass die Ziele des Population Council sich aber ziemlich sicher nicht von jenen der Eugenik-Gesellschaft unterschieden haben dürften, geht allein schon aus der Besetzung des Präsidenten des Population Council hervor.
Frederick Osborn, der erste Präsident des Bevölkerungsrates von John D. Rockefeller III., war, Jahrzehnte zuvor, Gründungsmitglied der amerikanischen Eugenikgesellschaft, deren Präsident er bis zur Übernahme der Leitung des Bevölkerungsrates im Jahr 1952 war. Osborn schlug vor, die Aktivitäten zukünftig unter dem Deckmantel der “Familienplanung” durchzuführen.
Kaum hatte er sich mit John D. Rockefeller III. im Bevölkerungsrat zusammengetan, erkannte Osborn schon 1952 das gewaltige Potential, das Empfängnisverhütung und Massenerziehung für die Eugenik unter der Maske der freien Wahl darstellten. »Um die künftige Arbeit des Bevölkerungsrats und der Rockefeller-Stiftung in Sachen Bevölkerungskontrolle anzudeuten«, schrieb Osborn wieder in der Eugenics Review, »gibt es sicherlich eine Möglichkeit, dem Druck (zur Geburtenregelung) eine bessere Richtung zu geben und damit auf die Mehrheit der Bevölkerung statt nur auf eine Minderheit einzuwirken.« Und wenn der Druck zum Tragen kommt, fügte Osborn hinzu, werden die Individuen glauben, sie hätten sich aus freien Stücken entschieden, keine Kinder zu haben, und zwar dann, »wenn die Familienplanung unter allen Mitgliedern der Bevölkerung verbreitet ist und die Mittel einer wirksamen Empfängnisverhütung leicht zugänglich sind«. Er schrieb das gut 13 Jahre vor der weitverbreiteten Einführung der »Pille«. [Engdahl, S. 144]
Unbemerkt von der Öffentlichkeit war Osborn von 1947 bis 1956 auch Präsident des Pioneer Fund der berüchtigten Weißen Suprematisten (weiße Überlegenheitsfanatiker in den USA) gewesen. Neben anderen Projekten unterstützte der Pioneer Fund »die sehr umstrittene Forschung eines Dutzends von Wissenschaftlern, die glauben, die Schwarzen seien genetisch bedingt weniger intelligent als Weiße«, so ein Artikel in der New York Times vom 11. Dezember 1977. Zu den Geldempfängern aus dem Pioneer Fund gehörte der Nobelpreisträger William Shockley von der Universität Stanford. Er fordert die Zwangssterilisation für alle Personen mit einem Intelligenzquotienten von unter 100. Osborns Pioneer Fund hatte ihm für seine Forschungen über eine Million Dollar zur Verfügung gestellt. [Engdahl, Saat der Zerstörung S. 145]
1937 lobte Osborn das Eugenikprogramm der Nationalsozialisten als das »wichtigste Experiment, das jemals unternommen worden ist«. Ein Jahr später beklagte Osborn die Tatsache, daß die Öffentlichkeit anscheinend »das ausgezeichnete Sterilisationsprogramm in Deutschland ablehnt, weil es von den Nazis stammt«. Osborn und die Rockefeller-Stiftung wussten sehr wohl, wofür sie ihr Geld im Dritten Reich ausgaben, auch wenn sie später lammfromm leugneten, etwas davon gewusst zu haben. Auch John D. Rockefeller III. wusste Bescheid. [Engdahl, S. 146]
1946 veröffentlichte Osborn, damals noch Präsident der Amerikanischen Eugenikgesellschaft (AES), in seiner Zeitschrift Eugenics News das sogenannte Manifest der Genetiker mit dem Titel Genetisch die Weltbevölkerung aufbessern. 1968 schließlich erschien Osborns Buch Die Zukunft der menschlichen Erbmasse: Eine Einführung in die Eugenik der Modernen Gesellschaft, während John D. Rockefeller, Vorsitzender des Population Council, sich darauf vorbereitet, die Leitung der Kommission für Bevölkerungsprobleme des US-Präsidenten zu übernehmen …
Womit wir zeitlich - endlich! - wieder am Anfang angelangt wären. In einer Zeit als der Club of Rome gegründet wird.
https://planetkonkret.de/das-elend-des-malthusianismus/
https://monthlyreview.org/1998/12/01/malthus-essay-on-population-at-age-200/
Engels - Die Lage der arbeitenden Klassen in England …
https://ourworldindata.org/breaking-the-malthusian-trap
https://victorianweb.org/history/fabian.html
https://www.facinghistory.org/resource-library/origins-eugenics
https://humanlifereview.com/the-long-road-of-eugenics-from-rockefeller-to-roe-v-wade/
https://www.hli.org/resources/harry-laughlin/
https://dewiki.de/Lexikon/Max-Planck-Institut_f%C3%BCr_Psychiatrie
http://visupview.blogspot.de/2013/10/a-vast-right-wing-conspiracy-secret_8539.html
http://www.grin.com/de/e-book/109594/white-vs-black-wissenschaftliche-
argumente-fuer-die-rassentrennung-in
The Romance of American Psychology
Rasse, Blut und Gene - Geschichte der Eugenik und Rassenhygiene in Deutschland, Peter Weingart, Jürgen Kroll und Kurt Bayertz, Suhrkamp Verlag 1996, S. 563
Eugenics Quarterly, Dec. 1956: 243-252



